Gutes Sehen darf nicht vom Geldbeutel abhängig sein

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Vinzenz-Konferenzen im Erzbistum Paderborn machen auf Lücke in der Sozialgesetzgebung aufmerksam / Aktion „Durchblick behalten“ will Politik und Altenhilfe für das Thema sensibilisieren

Castrop-Rauxel/Paderborn, 08.05.13 (cpd) –  „Wenn wir die Politik von unserem Anliegen überzeugen wollen, müssen wir öffentlichen Druck erzeugen“, sagt Ulrich Keuthen, Diözesan-Vorsitzender der Vinzenz-Konferenzen im Erzbistum Paderborn. Das „Anliegen“ des caritativen Fachverbandes ist ebenso einfach wie logisch: Gutes Sehen darf nicht vom Geldbeutel abhängig sein! Doch seitdem die gesetzlichen Krankenkassen nur noch Brillengläser für Kinder, Jugendliche und sehr stark Sehbeeinträchtigte zahlen, ist „gutes Sehen für alle“ nicht mehr selbstverständlich. Für einkommensschwache Menschen ist jede neue Brille ein finanzieller Kraftakt. Vor allem Bezieher von Sozialleistungen sind betroffen, weil es über den Regelsatz hinaus keine Unterstützung für den Kauf einer Brille gibt. „Das ist eindeutig eine Lücke im Sozialsystem“, so Verbandsgeschäftsführer Matthias Krieg.

Anlass für die 18 Vinzenz-Konferenzen im Erzbistum Paderborn, die Aktion „Den Durchblick behalten“ zu starten. Mit Spendenmitteln konnten die Ehrenamtlichen bistumsweit rund 100 bedürftigen Personen zu einer passenden Sehhilfe verhelfen. Matthias Krieg: „Ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Ziel der Aktion sei es denn auch, die Politik für das Thema zu sensibilisieren. Anlässlich der bevorstehenden Bundestagswahl spricht der Verband gerade auch die Brillenträger unter den politischen Kandidaten an und macht sie auf die Versorgungslücke aufmerksam.

Wie sehr vor allem ältere Menschen in einen Teufelskreis aus schlechtem Sehen und sozialer Isolation geraten, wurde beim diesjährigen Diözesantag der Vinzenz-Konferenzen in Castrop-Rauxel diskutiert. Referentin Dr. Sabine Wadenpohl, Diplom-Theologin und Gesundheitswissenschaftlerin rief dazu auf, vor allem Altenhilfe-Einrichtungen für das Thema zu sensibilisieren. Regelmäßige augenärztliche Untersuchungen müssten dort zum Standard gehören. Es gebe Häuser, die Verträge mit Augenärzten abgeschlossen haben. „Aber das gilt noch längst nicht für alle.“  Pflegekräfte müssten über die Auswirkungen von Sehbeeinträchtigungen vor allem bei dementiell erkrankten Bewohnern geschult werden. Erkrankungen wie Grauer und Grüner Star oder diabetische Retinopathie führten zu unterschiedlichen Empfindlichkeiten: Kontraste würden nicht richtig wahrgenommen, Betroffene litten an Blend-Empfindlichkeiten oder nehmen nur Teile eines Gesamtbildes wahr.

Doch selbst wenn Pflegeeinrichtungen entsprechend geschult werden: Mehr als die Hälfte aller Menschen mit Demenz lebt nicht in solchen Häusern. Ein hartes Stück Arbeit liegt also vor den Vinzenz-Konferenzen, weiß Ulrich Keuthen: „Es gibt in der Öffentlichkeit keine Diskussion, weil die Thematik außerhalb des gesellschaftlichen Gesichtsfeldes stattfindet. Es liegt an uns, die Thematik in genau dieses Gesichtsfeld zu rücken.“

2019-04-06T09:09:16+02:00