Ein Wort zur…

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… Gebetswache 2022 in Bestwig

Erst wenn der Brunnen trocken ist, erkennt man den Wert des Wassers“ – diese alte Volksweisheit bildete das Leitwort für die diesjährige Gebetswache der Vinzenz-Konferenzen, die das Jahresthema „Wasser“ aufgriff. Zwölf Vinzenz-Brüder aus allen Teilen des Erzbistums waren im Bergkloster Bestwig vom 7. bis 9. Oktober zusammengekommen, um dort mit mir als geistlichem Begleiter ein Wochenende mit Gebet, Gottesdiensten und guten Gesprächen zu verbringen. Glücklicherweise gab es kaum noch Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie.

Mit Hilfe von Redewendung und Sprichwörtern näherten wir uns am Freitagabend dem Thema, bevor mit einer Abendmesse zum Rosenkranzfest die nächtliche Anbetungszeit eröffnet wurde. Der Samstagmorgen begann ebenfalls mit einer Messfeier, diesmal zum Jahresthema. Am Vormittag stand ein Frage- und-Antwort-Quiz auf dem Programm, das die notwendigen Sachinformationen für die folgenden Gespräche lieferte. Hierbei ging es vor allem um die aktuelle Wasser- und Klimaproblematik, die weltweit zu sozialen Verwerfungen führt und inzwischen auch in Europa spürbar ist. Außerdem diskutierten wir über die vielfältigen Anstöße zum Thema, die Papst Franziskus 2015 in seiner Enzyklika „Laudato si“ gegeben hat. Auch in der zweiten Nacht wurden bei der eucharistischen Anbetung die persönlichen und die großen Probleme unserer Zeit vor den Herrn gebracht. Nachdem unsere Gruppe am nächsten Morgen die Sonntagsmesse inklusive einer Tauferinnerung gefeiert hatte, war die verbleibende Zeit einem wenig bekannten Song von Udo Jürgens gewidmet: „Die Krone der Schöpfung“. Der Liedtext spiegelt nicht nur unseren problematischen Umgang mit der Schöpfung wider, sondern stellt auch sehr grundsätzliche Fragen an das christliche Welt- und Menschenbild. (zum nachhören noch einmal hier )
Welche Möglichkeiten haben wir als Einzelne, bewusster und sparsamer mit Wasser umzugehen? Was und wie können wir als Vinzenz-Konferenz zu einem verantwortlichen Umgang mit dem kostbaren Gut Wasser beitragen? Diese Fragen beschäftigten uns am Ende des Wochenendes. Sehr spannend war in diesem Zusammenhang der Bericht von einem konkreten Hilfsprojekt in Ungarn, wo der Zugang zu sauberem Trinkwasser und der Bau von Sanitäranlagen eine große Rolle spielt.

Sicherlich war „Wasser“ ein eher ungewöhnliches Thema für ein Gebetswochenende. Aber es gehört zur vinzentinischen Spiritualität, dass der Glaube nicht nur im Kirchenraum lebt, sondern auch außerhalb zu praktischen Konsequenzen führt. Deshalb haben an solchen Besinnungstagen auch Themen mit Bezug zur christlichen Soziallehre ihren legitimen Platz. Die nächtlichen Anbetungsstunden vor dem Allerheiligsten in der stillen Kloster-Krypta haben alle Teilnehmer tief bewegt. Hier war etwas spürbar von der Gebetsverantwortung, die wir als Christen in dieser bedrückenden Zeit haben.
Selbstverständlich kam auch der Austausch über die Arbeit der verschiedenen Konferenzen, die persönlichen Begegnungen und das gemütliche Beisammensein nicht zu kurz. Die Gastfreundlichkeit des Bergklosters und das gute Essen trugen – wie immer – sehr zum Gelingen der Gebetswache bei. Wer weiß – vielleicht schließen sich im nächsten Jahr noch mehr Vinzenz-Geschwister der Gebetswache an? Schön wäre es, denn es lohnt sich auf jeden Fall!

Pater Hans-Georg Radina C.M.

2022-12-22T15:04:00+01:00