Doppelt hart: arm und Brillenträger

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Vinzenz-Konferenzen und youngcaritas im Erzbistum Paderborn setzen sich dafür ein, dass auch einkommensschwache Menschen ihre Brille finanzieren können.

Den Durchblick behalten“ – das war für die Besucher des Aktionsstandes der youngcaritas gar nicht einfach. Über bewusst unleserliche gehaltene Osterrezepte kamen die sozial engagierten Jugendlichen mit Passanten über das Problem der Finanzierbarkeit von Brillen durch Bedürftige ins Gespräch.cpd/youngcaritas

Wer arm ist und dazu noch Brillenträger, hat es doppelt schwer: Seitdem die Kassen nur noch bei Erwachsenen mit starker Sehbehinderung die Kosten für die Brillengläser übernehmen, ist gutes Sehen für bedürftige Brillenträger zu einem finanziellen Kraftakt geworden. Die Vinzenz-Konferenzen im Erzbistum Paderborn machen seit einigen Jahren mit der Aktion “Den Durchblick behalten” auf diese soziale Härte aufmerksam; in Einzelfällen gewähren die caritativ engagierten Ehrenamtlichen Betroffenen sogar Zuschüsse aus Spendenmitteln. Der Caritas-Fachverband bekommt jetzt Unterstützung durch die youngcaritas im Erzbistum Paderborn. Die Jugendlichen haben sich u. a. kreative sozialpolitische Aktionen auf die Fahnen geschrieben.

Für die Kinder gab es besonders gestaltete Ostereier: Brilleneier
Für die Kinder gab es besonders gestaltete Ostereier
Foto: Brilleneiercpd/youngcaritas

Einen Eindruck davon bekamen jetzt Passanten in der Paderborner Fußgängerzone. An einem Aktionsstand hatten die Jugendlichen Osterrezepte zum Stöbern und Mitnehmen ausgelegt. Erst auf den zweiten Blick haben die Interessierten dann gemerkt, dass die ausgelegten Rezepte kaum lesbar waren. “Wir haben die Rezeptbücher so gestaltet, dass die Schrift verschwommen oder sehr klein und somit schlecht bis gar nicht lesbar war”, berichtet Linda Kaiser, Referentin der youngcaritas beim Diözesan-Caritasverband. “Wenn die Besucher dann erstaunt und verwirrt geguckt haben, haben wir das Gespräch gesucht und darauf aufmerksam gemacht, wie “einfache” Sehschwächen das Alltagsleben einschränken können.” Somit kam schnell das Gespräch auf die Finanzierung von Brillen. An die Kinder wurden bunte Ostereier verschenkt, die mit einer Brille bemalt wurden. “Viele Menschen wollten nicht glauben, dass Brillen für Menschen mit geringem Einkommen wirklich nicht mehr finanziert werden oder sie haben von ihren eigenen Erfahrungen erzählt, wie kostspielig die Finanzierung der Brille war”, berichtet Linda Kaiser.

Bis zu den Bundestagswahlen 2017 wollen Vinzenz-Konferenzen und youngcaritas gemeinsam auch gegenüber der Politik auf die Problematik der Brillenfinanzierung durch Bedürftige aufmerksam machen. “Gutes Sehen gehört zur Teilhabe dazu. Wir wollen, dass alle am Leben teilhaben können. Der Kauf einer Sehhilfe darf deshalb nicht davon abhängig sein, ob ich Geld habe oder nicht”, heißt es in einem gemeinsamen Flyer. Aktuell wird auch eine Homepage zur Aktion erstellt:www.dendurchblickbehalten.de.

2019-04-06T09:09:04+02:00