Den Durchblick behalten

 

„Der Arme und der Reiche
begegnen einander,
der Herr gibt beiden das Augenlicht“,

heißt es im Buch der Sprüche (Sprichwörter).

Im Verlauf des Lebens, wenn die Sehschärfe nachlässt, spielt es dann schon eine Rolle, ob jemand zu den Armen oder Reichen zählt.
Das Gesetz regelt, dass Versicherte bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres Anspruch auf die Versorgung mit Sehhilfen haben.  Ansonsten gewährt die Krankenkasse Zuschüsse zu den Gläsern nur für  Menschen, die trotz Brille nur etwa 20 % sehen.

Alle anderen müssen unabhängig von ihrer Einkommenssituation ihre Brille allein bezahlen. Das ist bedauerlich, aber machbar, wenn man über ein gutes Einkommen verfügt. Das ist eine Belastung, wenn man über ein weniger gutes Einkommen verfügt. Das ist eine Hürde, die Menschen nur schwer nehmen können, wenn sie ohne Einkommen sind oder nur über ein geringes Einkommen verfügen. Nur noch einmal zur Klarstellung:  Auch Bezieher von Arbeitslosengeld II müssen die Kosten für eine Brille selbst stemmen.  Sie sollen den erforderlichen  Betrag  für eine Brille ansparen. Allenfalls kommt für Sozialhilfeempfänger eine Darlehnsgewährung in Betracht, wenn sie die Aufwendungen für Brillengläser und ein Brillengestell  nicht aus ihrem Regelsatz aufbringen können.

Natürlich hängt es von der Art des Sehfehlers und seiner Schwere ab, welche Brille für den/die Einzelne/n in Frage kommt, was sich dann auch in den Kosten niederschlagen wird. Auch Zusatzausstattung, die sich empfiehlt, hat ihren Preis: Kunststoffgläser statt dicker und schwerer Mineralgläser etwa oder in unterschiedlichen Graden entspiegelte Brillen, die für Menschen wertvoll sind, die z.B. in der Dämmerung und Nachts auf den Straßen unterwegs sind.

In Zahlen ausgedrückt heißt das:

Durchblick
  • Ein einfaches Gestell kostet ca.  20 €.
  • Ein einfaches mineralisches Glas kostet pro Glas 15 € bis 20 € im sogenannten Einstärkenbereich (d.h., die Brille wird nur zum Lesen oder nur für die Fernsicht benötigt).
  • Im Mehrstärkenbereich (d.h., die Brille wird sowohl zum Lesen als auch für die Fernsicht benötigt) kostet ein einfaches bifokales Glas  (d.h. ein Glas mit einer sichtbaren Trennlinie) schon 70 € pro Glas. Die Kosten für  Gleitsichtgläser sind deutlich höher.
  • Eine Entspiegelung kostet bei einem mineralischen Glas 15 €, bei einem Kunststoffglas 30 €.

Und entgegen aller Werbeversprechen wird auch ein Brillen-Discounter seine Brillen nicht verschenken können.  Bei Versicherungen, die die Übernahme von Kosten versprechen, sind die Bedingungen überdies z.B. hinsichtlich des Leistungsumfangs sorgfältig  zu prüfen.

Die Vinzenz-Konferenzen nehmen das Jahresthema der Caritas „Armut macht krank“ zum Anlass, um auf die Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen, die Menschen mit geringem finanziellen Spielraum den Zugang zu existierenden Möglichkeiten zum Ausgleich ihrer bestehender Sehschwäch/Fehlsichtigkeit deutlich erschwert.  Im Sozialstaat Deutschland ist es möglich und Gang und Gäbe, dass Menschen trotz bestehender technischer Voraussetzungen die Mittel versagt bleiben, die sie für ein ungetrübtes Sehen benötigen.

Die Vinzenz-Konferenzen wollen den Staat nicht aus seiner Verantwortung entlassen, bedürftigen Menschen lebensnotwendige Unterstützung zukommen zu lassen. Die Vinzenz-Konferenzen leisten im Einzelfall aber Hilfe für Menschen, die eine Brille dringend benötigen und diese aus eigenen Mitteln nicht bezahlen können.  Wenden Sie sich in dieser Situation bitte an die Vinzenz-Konferenz in Ihrer Stadt.

 

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